Wenn meine Eltern sich etwas zu Weihnachten gewünscht haben, dann war das vielleicht ein eigener Telefonanschluss zu Hause. In unserem Aufgang gab es zwei Mietparteien mit Telefon. Einer war bei der Polizei und die anderen in der Partei. Dort konnte man für wichtige Nachrichten schon mal angerufen werden. Oder auf der Arbeit. Wenn man selbst anrufen wollte, ging man zur Post oder in die Telefonzelle. Meine Mutter hatte ihre drei Geschwister jenseits der Grenze, da hätten wir am Heiligabend wahrscheinlich viel zu telefonieren gehabt. So konnten wir immerhin in aller Ruhe unsere Westpakete auspacken und die Enttäuschung schwappte nicht gleich durchs Telefon, wenn wieder nur Socken drin waren.
Dann fiel die Mauer und der Traum vom eigenen Telefon wurde nach und nach wahr. Über Nacht passierte es freilich nicht. Alle Haushalte mit einem Telefonanschluss zu versorgen, dauerte länger, als alle Bankkonten auf D-Mark umzustellen. Mein Bruder besorgte sich ein tragbares Autotelefon. Wenn er sich damit weit aus dem Fenster lehnte, konnte er sogar damit telefonieren. Aber es war noch nicht das, was man sich unter dem eigenen Telefonanschluss vorgestellt hatte. In meiner ersten Berliner Wohnung gab es noch einen aktiven Anschluss. Ich kannte die Nummer nicht, aber ich konnte mein Telefon anschließen und anrufen. Nach einer Woche war der Anschluss aber wieder tot.
Heute haben wir mit meinen Mobilnummern so viele Telefonanschlüsse, dass ich den Überblick verloren habe. Auf dem „Festnetz“ ruft selten jemand an. Es ist eigentlich ein Anhängsel des DSL-Vertrages und man hat es so nötig, wie den Wurmfortsatz. Und wenn es doch mal klingelt, gehen wir nicht ran, weil wir sonst vielleicht teure Zeitschriften–Abos bekommen. Mobil wird videogechattet. Für die Kinder ist das ganz normal aber ich denke immer, wir sind im Science-Fiction.



Schreiben Sie einen Kommentar