Wenn meine schöne Frau und ich am Abend aus den jeweiligen Kinderschlafzimmern kommen, bevor der jeweils andere auf der Couch eingeschlafen ist, nutzen wir unsere kinderlose Wachphase hin und wieder zur Planung zukünftiger Ereignisse. Unlängst ging es dabei um die Osterfeiertage. Ich zog meinen Kalender zu Rate und musste festestellen, dass die Terminlage nicht nur zu Ostern ausgesprochen übersichtlich ist. Meinen nächsten Zahnarzttermin habe ich Mitte Juni. Bis dahin bin ich frei. Ich habe also tatsächlich den Status des Huhns erreicht, welcher einst von den Comedian Harmonists besungen wurde. Nur ohne Eier. Also eher den des Hahns.
Ja, ich bin sozusagen arbeitslos. Noch bis vor kurzem hatte ich jeden Vormittag ein Liederprogramm zu proben, das aufzuführen ich zum Internationalen Frauentag eingeladen war. Das ist nun Geschichte und es gibt nichts mehr zu proben. Es gibt ja Männer, die auch nachdem sie arbeitslos geworden sind, jeden Morgen mit der Aktentasche aus dem Haus gehen, damit die Kinder und die Nachbarn nichts merken. Meinen eineinhalbjährigen Sohn hätte ich täuschen können, indem ich nach dem Frühstück wie immer mit „lala“ weiter gemacht hätte. Aber warum sollte ich ihm etwas vormachen? So können wir zusammen aus dem Fenster den Hühnern zusehen. Ich habe es geschafft: Ich bin der Hahn.
Der tägliche und ausschließliche Kontakt mit mir als Tages-Papa ist dem Kind nicht länger zuzumuten. Er wird sonst vielleicht ein wenig wunderlich im Sozialen. Er muss unter die Gleichaltrigen. Ab Mai bringe ich ihn in die Krippe. Was wird dann aus mir? Nun, ich muss wieder ins Büro. Meine schöne Frau lebt es mir bereits Woche für Woche vor. Sie steht auf bevor der Hahn kräht, bringt zwei Kinder in den Kindergarten und fährt dann zur Arbeit. Vielleicht finde ich ja noch das große Los. Aber was wäre dann? Dann fräße ich es bloß.



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