Über die Entstehung des Erzgebirges gibt es verschiedene Geschichten, die jedoch alle eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sie sind mir unbekannt. Ich betrachte es auch als müßig, mir entsprechende Informationen zu verschaffen, denn die Erdgeschichte erscheint im Zeitraffer nicht wesentlich anders als die Meeresoberfläche. Mal türmt sich hier etwas auf, mal glättet sich dort etwas und niemand macht sich die Mühe, einen jeweiligen Zustand zu dokumentieren oder genauer zu untersuchen. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird alles von der Sonne verschluckt und dann kräht kein Hahn mehr danach. Auch die Hähne sind ja in dieser Zukunft längst schon wieder das, was wir alle mal waren und bald wieder sein werden: Sternenstaub.
Das war doch schon mal gar nicht so schlecht. Aber was auch immer über eine Sache gesagt ist, die als „gar nicht so schlecht“ bewertet wird – gut ist sie nicht. Manchmal wird es besser, wenn man es vom Kopf auf die Füße stellt. Denn natürlich ist es die kosmische Zukunft, die uns Heutigen egal sein kann. Das Erzgebirge mit seiner Geschichte sollte es nicht sein. Erst recht nicht, da alle meine Kinder qua Geburt in dieser Region verwurzelt sind, ob mir das nun gefällt oder nicht.
Der Älteste ist gerade dabei, ein Dino-Skelett auszugraben. Es ist in einen Gipsklumpen eingegossen, aus dem er es mit einer Art Meißel und einem Pinsel freilegen muss. Ob er dabei seinen Wurzeln näher kommt? Die hat er durch seine Großmutter mütterlicherseits tatsächlich im Erzgebirge. Seine Großeltern väterlicherseits wurden durch den Krieg von ihren jeweiligen Wurzeln im Osten getrennt. Darum ist sein Vater quasi heimatlos, wenn Heimat etwas ist, dass sich auf Generationen bezieht. Dabei habe ich es immer als Vorteil und ein Stück Freiheit erlebt, emotional nicht an eine Region gebunden zu sein. Aber vielleicht kann man auch selbst entscheiden, wie fest verwurzelt man sich fühlt. Und statt Kinder des Erzgebirges durch die Region oder Kinder des Krieges durch die Zeitumstände sind wir durch die Sternenstaub-Atome aus denen wir bestehen alle „Kinder des Weltalls“.



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